Methodentraining im Technischen Gymnasium (TG)
Elftklässler des Technischen Gymnasiums lernen das Lernen
Schüler des Technischen Gymnasiums erklären am Elternabend ihren Vätern und Müttern eine Kugelbahn, die sie im Rahmen eines viertägigen Methodentrainings zum Thema „Lernen lernen“ angefertigt hatten. Studiendirektor Günter Weiß (rechts) belohnt die Siegergruppen im Namen des Freundeskreises für ihre Kreationen.

Selbständiges, nachhaltiges und zielorientiertes Lernen, Methodenkompetenz, Teamfähigkeit und vieles mehr wird heute von künftigen Abiturienten verlangt, um die Studierfähigkeit zu gewährleisten. Die Realität sieht aber oft anders aus: Schüler sind darauf getrimmt worden, bis zur nächsten Klassenarbeit Inhalte einfach auswendig zu lernen. 
Dies war für die TG-Lehrer Frank Rinnus, Ralf Geiger, Dr. Peter Karsten und Hartwig Hils zusammen mit ihrem Fachleiter Günter Weiß Anlass, für die Eingangsklassen des TGs ein arbeitsintensives viertägiges Training „Lernen lernen“ in der Jugendherberge in Tübingen durchzuführen. 

Die Themen „Gruppenpuzzle“, „Biologische Grundlage des Lernens“ standen neben einer Stocherkahnfahrt auf dem Tübinger Neckar und einem Besuch des neuen Daimler-Museums in Stuttgart auf dem vollen Terminplan. 

In weitgehend handlungsorientierten Methoden mit den Schwerpunkten „Lernen in Stamm- und Expertengruppen“, „Texterschließung durch Markieren“, „Erstellung von Strukturbildern“ übten die Schüler, Verantwortung für das individuelle und gruppenorientierte Lernen zu übernehmen. „Wandeln Sie einen Text in einen Spickzettel mit wenigen Begriffen und vielen aussagekräftigen Bildern und Skizzen um und Sie werden merken, dass Sie den Spickzettel in der Klassenarbeit  nicht mehr brauchen und Ihr Wissen auch noch Monate später abrufbar ist“, riet Frank Rinnus den Schülern. In Gedächtnisübungen und mit Hilfe einfacher, aber effektiver Tips lernten die Gymnasiasten, wie man sich erstaunlich viel in relativ kurzer Zeit einprägen kann. 

Höhepunkt der Veranstaltung war schließlich die individuelle Auseinandersetzung mit einem sogenannten Entwicklungsheft, das die Schüler bis hin zum Abitur leitet. Jeder Schüler muss sich selbst Ziele setzen und eine Maßnahmeliste zum Erreichen der Ziele festlegen. In vier Entwicklungsgesprächen allein in der 11. Klasse wird dann mit jedem Schüler der individuelle Lernfortschritt besprochen. Werden gesetzte Ziele nicht erreicht, werden in dem Entwicklungsgespräch mögliche Gründe dafür gesucht und entsprechende Maßnahmen und neue Ziele vereinbart und im Entwicklungsheft vertragsmäßig schriftlich fixiert. 
Am Elternabend informierten die Lehrer die Eltern der Elftklässler über die Inhalte der Methodentage. „Uns ist das Thema Lernen lernen sehr wichtig, denn der Erfolg von Schule, Studium und beruflichem Fortkommen hängt zunehmend davon ab, selbstverantwortlich und lebenslang lernen zu können“, meinte Schulleiter Dr. Jürgen Schröder zum Abschluss der Veranstaltung und lobte seine Kollegen und Schüler für ihr Engagement. 


 

Schule lehrt das Lernen 
Mit einem Geschenk bedankt sich Schulleiter Dr. Jürgen Schröder (rechts) bei den Schülern Manuel Nesper (links) und Gero Kühnemundt (Mitte) 
für die Gestaltung von sieben Lernplakaten.

„Schüler lernen falsch.“ „ Sie lernen chaotisch, zu wenig und nur auswendig.“ Realität oder nur Lehrer-Vorurteile? Das fragten sich vor einigen Jahren die Steinbeis-Lehrer Ralf Geiger, Hartwig Hils, Dr. Peter Karsten, Frank Rinnus und Günter Weiß. Und sie kamen zu dem Ergebnis, dass nur sicher ist, dass viele Schüler noch nie richtig das Lernen gelernt haben. Daraus entstand ein umfassendes Schulentwicklungsprojekt, in dem die Schüler gleich zu Beginn der 11. Klasse in einem dreitägigen Seminar systematisch das Lernen lernen.

„Texterschließung durch Markieren“, „Begriffsklärungen“, „Erstellung von Strukturbildern“, „Lernen mit einem Partner und in Gruppen“, „Merktechniken“, „Lernstrategien“, „Tipps zum Vokabellernen“ sind Elemente des Lernkurses. Die schwierigste, aber erfolgreichste Lerntechnik ist das Anfertigen von intelligenten Spickzetteln, von den Lehrern jedoch „Strukturbilder“ genannt. Komplexe Sachverhalte und ganze Unterrichtseinheiten müssen die Schüler in wohl geordnete Strukturbilder bringen. „Wer das kann und sich dieser nicht ganz einfachen Mühe unterzieht, wird sein vernetztes Wissen nicht nur bei der nächsten Klassenarbeit parat haben, sondern noch Monate oder gar Jahre später auch bei der Abschlussprüfung“, ist sich die Lehrergruppe sicher. 

Manuel Nesper und Gero Kühnemundt, inzwischen Schüler der 12. Klasse des Technischen Gymnasiums, haben den Kurs „Lernen lernen“ nicht nur erfolgreich mitgemacht, sondern ließen sich von ihren Lehrern animieren, zusätzlich zum Unterricht mit dem Programm Adobe Photoshop sieben Lerntipps zu visualisieren. Acht Monate lang haben die beiden Gymnasiasten gestaltet, den Lehrern Entwürfe vorgelegt, verworfen, Änderungen vorgenommen, bis schließlich sieben Plakate fertig waren. In der vollen Aula der Steinbeisschule präsentierten sie Mitschülern und Lehrern die Lernplakate. „Üben, üben, üben!“ lautet der erste Lerntipp. Damit ist klar, dass keine billigen Lernrezepte verkauft werden. Lernen bleibt weiterhin mühsam, aber es scheint doch Techniken zu geben, die wie im Sport die Leistung systematisch verbessern helfen. „Lerne deinen Heftaufschrieb nicht einfach auswendig, sondern fertige einen Spickzettel mit Bildern, Strukturbildern und Farben an“ heißt es in einem anderen Lerntipp. Und alle Schüler mussten tatsächlich  – so Gero Kühnemundt – einen ganzen Tag lang als Klassenarbeitsvorbereitung in Chemie, Mathematik und Geschichte den Unterrichtsstoff in farbige, strukturierte „Spickzettel“ konzentrieren. Auch für das Pauken vieler Begriffe haben die Schüler ein Plakat entworfen. „Mehrere Begriffe kannst du dir gut merken, wenn du aus den Anfangsbuchstaben ein Akronym (Phantasiewort) bildest“, steht unter der bildlichen Darstellung. 

„Die Lerntipps bringen tatsächlich was, man muss sie aber konsequent anwenden“, meinte Manuel Nesper zum Schluss der Präsentation. 120 Schüler und mehrere Lehrer waren begeistert von den Plakaten. „So etwas gibt es in dieser Form noch nicht“, freute sich Studiendirektor Günter Weiß.  Schulleiter Dr. Jürgen Schröder dankte den beiden Schülern für ihre Kreativität, ihr Durchhaltevermögen und ihr ungewöhnliches Engagement mit einem Geschenk und einem Zertifikat. „Die Plakate werden im Schulhaus eingerahmt für alle Schüler zugänglich direkt neben dem Leitbild der Schule aufgehängt, in dem es heißt, dass die Eigenverantwortung der Schüler für das Lernen gefördert werden soll. Ihr seid mit euren nützlichen Kunstwerken  ein Vorbild für eure Mitschüler, lobte Schröder die beiden Schüler. Kräftiger Beifall der 120 anwesenden Schüler und der Lehrer unterstrichen seine Worte.


 
Text und Bilder : H.Hils
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