Schüler erweitern ihren Wissensschatz
Steinbeis-Schule verbindet bewährte Lehrmethoden mit selbstorganisiertem Lernen
Matthias Sattler ( am Notebook ) präsentiert seinen Mitschülern und seinem Lehrer Ralf Bieberstein
( Mitte ) die von ihm erstellte CD-ROM zum selbstorganisierten Lernen, eine visualisierte Arbeitsanweisung zur Erstellung eines Hockers


Schon vor der PISA-Studie war in Schule und Ausbildung die Rede von der Notwendigkeit des lebenslangen Lernens. Wie lernt man das aber? Was geschieht hierzu in unseren Schulen?

Wenn Lehrlinge nach drei oder dreieinhalb Jahren ausgelernt haben und ihr Abschlusszeugnis bzw. ihren Gesellenbrief in der Hand halten, bekommen sie von ihren Lehrern und Meistern heute regelmäßig gesagt, dass sie noch lange nicht ausgelernt hätten. Vielmehr gehe das Lernen ein ganzes Berufsleben lang weiter. 

Grund ist tatsächlich der immer schnellere Wandel in der Arbeitswelt. Heute weiß man nicht genau, was ein Schüler in 10 oder gar 20 Jahren für seinen Beruf alles wissen muss. In den vergangenen Jahren aber hat man gesehen, dass sogenannte Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Problemlösen, sinnerfassendes Lesen, Strukturieren, Kommunikationsfähigkeiten, Sozialkompetenzen usw. wichtige Fähigkeiten sind, um zukünftige Aufgaben zu meistern. Einig sind sich die Fachleute, dass Schüler heute lernen müssen, wie man lernt, um sich neues Wissen in der Zukunft selbständig aneignen zu können. Hier muss die Schule mit neuen, zukunftsweisenden Methoden versuchen, die Schüler zu selbständig Lernenden zu befähigen, ohne dabei bewährte Lehrmethoden vorschnell aufzugeben.

Ralf Bieberstein, Lehrer für die Schreinerlehrlinge an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule, lässt seine Schüler gerne mal Neues ausprobieren. „Wenn ich sehe, dass einzelne Lehrlinge schneller mit einem Arbeitsauftrag fertig sind, bekommen sie eine neue Arbeit, bei der sie ihr Wissen vertiefen können.“ Ein solcher Lehrling ist Matthias Sattler. Er bekam vor einigen Wochen den Auftrag, sich in das Präsentationsprogramm PowerPoint einzuarbeiten und eine Lehr- bzw. Lern-CD-ROM über die Herstellung eines Hockers Gedanken anzufertigen. Zunächst stellte er zusammen mit einigen Lehrlingen selbst einen Hocker her. Dabei notierten sie sich die einzelnen Arbeitsschritte, fertigten Arbeitsanweisungen an und machten mit der Digitalkamera jeweils Bilder, die wichtige Handgriffe oder Holzelemente zeigten. So entstand allmählich eine PowerPoint-Präsentation mit Folien, die sie miteinander verlinkten. Die CD-ROM kann nun vom Lehrer als Präsentationsmedium eingesetzt werden oder Schülern dazu dienen, selbständig - möglichst ohne Mithilfe des Lehrers - einen Hocker herzustellen.  Das bedeutet, dass man in der Holzwerkstatt auch mal Schüler sieht, die neben ihrer Werkbank einen Computer statt den Lehrer stehen haben. Auf der CD-ROM erfährt der Lehrling, dass er bei der Holzauswahl auf Äste, Risse, Farb- und Wuchsfehler achten muss. In Wort und Bild wird ihm gezeigt, wie er Zapfen,, Zapfenlöcher mit Winkel und Streichmaß anzuzeichnen hat. Er kann sehen, wie und mit welchen Werkzeugen die Zapfen zu sägen sind oder wie eine Gehrung aussieht. Weitere Stationen sind „Zapfenlöcher ausfräsen mit der Langlochbohrmaschine“, „Passung prüfen“ und „Verleimen“.

Was macht aber der Lehrer, wenn die Schüler sich den Stoff gegenseitig beibringen? „Ich kann mich in der Zeit einzelnen Schüler oder einer Projektgruppe zuwenden und individuell Tipps geben oder spezielle Sachverhalte erklären“, so Schreinerlehrer Bieberstein. 

Lernen macht so natürlich noch mehr Spass. Dass ich in der einjährigen Berufsfachschule Holz auch mit dem Computer arbeiten darf, hätte ich vorher nicht gedacht. Und wenn andere Schreinerlehrlinge mit Hilfe unserer CD-ROM lernen können, freut mich das“, erklärte stolz Matthias Sattler.
 


 
Text und Bilder : H.Hils
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