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TG plus

Technischen Gymnasium an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule

Die heutige Arbeitswelt fordert von Jugendlichen ein hohes Maß an Eigenverantwortung und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Inhalte werden immer kurzlebiger, während sich das Spektrum an beruflichen Perspektiven stetig erweitert.

Darüber hinaus gewinnen sogenannte „Future Skills“ an Bedeutung. Dazu zählen emotionale Intelligenz, Problemlösungskompetenz, kritisches Denken, interkulturelle Kompetenz und Selbstorganisation – Schlüsselkompetenzen für die Zukunft.

Die Rahmenbedingungen für Jugendliche haben sich durch die Zersplitterung beruflicher Wege, rasante technologische Entwicklungen und eine zunehmende Fokussierung auf Nachhaltigkeit stark verändert.

Klassische Unterrichtskonzepte stoßen an ihre Grenzen, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden. Zusätzlich erschweren soziale Aspekte den Zugang zu traditionellen Lernangeboten, was es einem steigenden Anteil der Schülerinnen und Schüler erschwert, aktiv und gewinnbringend am Unterricht teilzunehmen.

Daher ist es längst an der Zeit, neue Ansätze zu entwickeln. Diese sollten durch Anpassungen von Unterrichtskonzepten und -strukturen die genannten Herausforderungen gezielt angehen und den Bedürfnissen der heutigen Lernenden besser gerecht werden.

Planungsgrundsätze

Ausgehend von der oben beschriebenen Ausgangslage verfolgt das TG plus das Ziel, Instrumente zu entwickeln und zu kombinieren, um den veränderten Anforderungen, Rahmenbedingungen und der wachsenden Heterogenität der Schülerschaft gerecht zu werden.

Ein erster Brückenschlag ins Technische Gymnasium erfolgt durch ein Angebot von Vorkursen an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Tuttlingen, die in verschiedenen Fächern, wie zum Beispiel Mathematik, am Ende der Sommerferien angeboten werden. Dieses freiwillige Angebot unterstützt dabei, vorhandene fachliche Defizite auszugleichen.

Im nächsten Schritt folgt zu Beginn des Schuljahres das „Onboarding“ im Rahmen der „KennenLernTage“, um den Einstieg zu erleichtern.

Damit Schülerinnen und Schüler Eigenverantwortung und Selbstorganisation erleben können, werden „selbstorganisierte Lernzeiten und -räume“ eingerichtet.

Eine individuelle Begleitung durch ein Tutorensystem zeigt Stärken und Schwächen in Reflexionsgesprächen auf und unterstützt die Schülerinnen und Schüler bei ihrer beruflichen Orientierung.

Abgestimmte Zusatzangebote greifen Defizite auf, fördern Neigungen und helfen, individuelle Talente zu entdecken. Dies wird durch die regelmäßige Teilnahme an Schülerwettbewerben ergänzt und abgerundet.


Pädagogische Maßnahme: KennenLernTage

Bei den mehrtägigen TG-KennenLernTagen zu Beginn der Eingangsklasse lernen sich die neu angekommenen Schülerinnen und Schüler durch erlebnispädagogische Phasen und gemeinschaftliche Aktivitäten als Gruppe und Gemeinschaft kennen.

Außerdem nehmen die Schülerinnen und Schüler an speziell zugeschnittenen Workshops teil, in denen sie Methodentrainings erhalten, um den Einstieg in die Oberstufe erfolgreicher zu gestalten.

Die Schwerpunkte dieser Tage liegen im Kennenlernen der Tutoren und neuen Klassenkameraden, in der Selbsteinschätzung mithilfe von Bausteinen des „BOaktiv“ sowie in der Förderung von Methoden- und Digitalkompetenzen. Letztere werden im Anschluss kontinuierlich im Unterrichtsalltag aufgegriffen und vertieft.

Das TG-KennenLernen versteht sich somit als ein „Onboarding“ für die Schülerinnen und Schüler – sowohl unter sozialen als auch unter kompetenzorientierten Gesichtspunkten. Dieser Ansatz wird in der weiteren Schulzeit am TG immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.


Pädagogische Maßnahme: Offene Lernzeit

Die offene Lernzeit ist eine wöchentliche Freiarbeitsphase von einer Doppelstunde, in der Schülerinnen und Schüler zunehmend selbst entscheiden können, an welchen Aufgaben und Inhalten sie arbeiten und in welchem Lernraum sie sich aufhalten möchten. Dazu gehört auch, dass sie eigenverantwortlich Pausen- oder Ausgleichszeiten einteilen. Unter entsprechender Begleitung bietet diese Zeit eine hervorragende Gelegenheit für die Schülerinnen und Schüler, ihre Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu entwickeln. Wichtig ist dabei auch, dass die Konsequenzen einer unüberlegten Nutzung der Lernzeit deutlich gemacht werden.

Aus bisherigen Projekterfahrungen hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, die freie Arbeitszeit anfangs etwas enger zu begleiten. Daher absolvieren die Schülerinnen und Schüler in den ersten Wochen nach den TG-KennenLernen weitere Kompetenzbausteine sowie vorbereitete Arbeitspakete, die nach einem festen Terminplan bearbeitet werden. Im Verlauf des Schuljahres und je nach Entwicklung der Gruppe wird der Anteil der Freiarbeit schrittweise erhöht.

Die Lernzeit wird außerdem durch einen systematischen gemeinsamen Beginn („daily“) strukturiert, bei dem die Schülerinnen und Schüler planen, wie sie die anstehende Lernzeit nutzen möchten.

Während der Lernzeit stehen den Schülerinnen und Schülern verschiedene Arbeitsumgebungen zur Verfügung, wie spezielle Einzel- und Gruppenarbeitsräume, PC-Räume und -Labore, der schuleigene Fitnessraum sowie Aufenthaltsmöglichkeiten im Innenhof.

Zusätzlich finden in der Lernzeit auch fakultative Angebote statt, wie die Arbeit an Wettbewerbsprojekten, Unternehmensvorstellungen zur Beruflichen Orientierung, Intensivkurse, Informationsveranstaltungen und ausgewählte außerunterrichtliche Aktivitäten.

Derzeit ist für die Jahrgänge TG11 bis TG13 eine Doppelstunde Lernzeit eingerichtet, wobei für TG12 und TG13 bereits nach dem oben beschriebenen Muster gearbeitet wird. Ab dem Schuljahr 2026/2027 ist für die Jahrgangsstufe 1 (TG12) eine Erweiterung auf einen Freiarbeits-Halbtag geplant.

Somit wird der Freiheitsgrad für die Schülerinnen und Schüler noch mehr erhöht. Sie können dabei selbst entscheiden, wie viel Zeit sie einem bestimmten Lerninhalt widmen möchten, was ihre Selbstständigkeit und Eigenverantwortung weiter fördert.


Pädagogische Maßnahme: Tutorensystem

Um die individuelle Begleitung der Schülerinnen und Schüler zu verbessern, hat die Schule ein Tutorensystem eingeführt. Ein Tutor ist dabei die Bezugsperson, die einzelne Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zum Abitur begleitet.

Ein Tutor betreut etwa acht Schülerinnen und Schüler und führt alle ca. acht Wochen, bei Bedarf auch häufiger, ein Beratungsgespräch. In diesen Gesprächen geht es um inhaltliche und lernstrategische Fragen, aber auch um schulische Rahmenbedingungen oder Berufsperspektiven. In der Regel bringt der Schüler selbst Themen oder Anliegen ein, die besprochen oder bearbeitet werden sollen.

Der Tutor übernimmt somit einige Aufgaben, die sonst auch Klassenlehrerinnen und -lehrern zukommen, wie die individuelle Unterstützung und die Beobachtung der Fehlzeiten, um die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern.

Andere Klassenlehreraufgaben, wie das Reagieren auf auffälliges Verhalten oder Schulabsentismus, werden von der Abteilungsleitung oder deren Assistenz übernommen, um die Beziehung zwischen Tutor und Schüler nicht zu belasten.

Gemeinschaftliche Aktivitäten wie Studienfahrten, Sportturniere, Ausflüge oder gemeinsame Frühstücke werden von der Gruppe aller 6-8 Tutoren einer Jahrgangsstufe organisiert.

Die Tutoren tauschen sich regelmäßig untereinander sowie in pädagogischen Konferenzen mit dem Fachkollegium der jeweiligen Stufe aus, um die Betreuung kontinuierlich zu verbessern.

Tutoren nehmen in ihrer Funktion nicht die Rolle des Beratungslehrers oder anderer Experten ein.

Bei Bedarf werden die Schülerinnen und Schüler an die internen Ansprechpartner (Verbindungslehrer, Beratungslehrer, Schulseelsorger, Sozialarbeiter) oder an externe Stelle (Psychologische Beratungsstelle, Suchtstelle u.a.) vermittelt.


Pädgogische Maßnahme: Raumkonzept

An unserer Schule stehen verschiedene Lernumgebungen zur Verfügung, die das Lernen und den Austausch fördern. Dazu gehören spezielle Räumlichkeiten, wie ein gemütlicher Loungebereich, in dem die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe brainstormen und sich austauschen können. Nach einer entsprechenden Einweisung können die Fachräume und die dazugehörigen Ressourcen zunehmend selbstständig genutzt werden. Auch der Fitnessraum der Schule gehört zu diesen Ressourcen und bietet zusätzliche Möglichkeiten für Bewegung und Wohlbefinden.

Das Raumkonzept unserer Schule bietet somit vielfältige Arbeits- und Aufenthaltsräume, die ganztägig für die Schülerschaft zugänglich sind. Diese sind unterteilt in die Bereiche „Schüler-Lounge“ (für Stillarbeit und Pausen), „Ideen-Lounge“ (für Team- und Einzelarbeit mit technischer Ausstattung), den Projektraum (Makerspace), den Innenhof (für Still- und Einzelarbeit) sowie den schuleigenen Fitnessraum.

Die Räume werden vor allem für die Vor- und Nachbereitung von Unterricht und Projekten genutzt, aber auch als Orte der Begegnung, um den Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern zu fördern.


Pädagogische Maßnahme: Zusatzangebote

Im Rahmen der Freiarbeitszeiten haben die Schülerinnen und Schüler nicht nur Zugang zu den Räumlichkeiten, sondern auch zu vielfältigen Zusatzangeboten.

So werden regelmäßig Unternehmens- oder Hochschulvertreter eingeladen, die in kleinen Gruppen mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen. Dadurch können sie effektiv zur beruflichen Orientierung beitragen.

Außerdem gehören Angebote wie u.a. ein Schweißkurs, eine AG-Künstliche Intelligenz, Workshops zu den Themen: „Umgang mit Stress-Resilienz“, „Knigge-Kurs“, „Anti-Mobbing“, Prävention: „Cyber-Mobbing“/“Sexuelle Gewalt“ oder die Teilnahme an Robotik-Wettbewerben zu unserem vielfältigen Programm, aus dem die Schülerinnen und Schüler wählen können.

Die Zusatzangebote werden kontinuierlich aktualisiert, um den Schülerinnen und Schülern stets zeitgemäße Inhalte und Qualifikationen bieten zu können.


Weiterentwicklung des Pädagogischen Konzeptes

In Bezug auf die Lernzeit ist geplant, diese in der kommenden Jahrgangsstufe 1 (TG12), wie bereits erwähnt, auf einen längeren Zeitraum auszuweiten. Ziel ist es, die Wirkung und die Nutzbarkeit dieser Zeit für die Schülerinnen und Schüler weiter zu verbessern.

Beim TG KennenLernen liegt der Fokus auf der Erhebung der Kompetenzen (u.a. mittels „BOaktiv“)

der neu ankommenden Schülerinnen und Schüler in der Eingangsklasse (TG11). Dadurch kann das inhaltliche Angebot noch gezielter auf die Bedürfnisse der Schülerschaft abgestimmt werden.

Im Rahmen des Tutorensystems werden die Grenzen der Beratungsmöglichkeiten erfasst und mögliche Anschlussmöglichkeiten identifiziert, um die Unterstützung für die Schülerinnen und Schüler weiter zu optimieren


Evaluation

Das TG KennenLernen wird jährlich nach Abschluss ausgewertet und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Bausteine Lernzeit und Tutorensystem werden erstmals zu Beginn des Schuljahres 2025/26 anhand von Feedback evaluiert. Die Zusatzangebote und Räumlichkeiten werden ebenfalls dauerhaft weiterentwickelt und dabei durch Feedbackinstrumente begleitet, um stets auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen zu können.